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Wednesday, November 06, 2013

Der Tiger und die Kröte



Seerosenteich
Eine Kröte geht eines Tages spazieren, da sieht sie schon von weitem einen Tiger auf sich zukommen. ‚Der Tiger!‘ denkt sie, ‚wird mich ganz bestimmt fressen. Ich muss mir eine List ausdenken.‘
Als der Tiger mit seinen großen Pranken näher kommt ruft die Kröte ihm zu: „Geh keinen Schritt weiter, sonst bist du des Todes!“
Der Tiger bleibt tatsächlich stehen. Er schaut auf den Boden, entdeckt die Kröte und lacht: „Wer bist denn du? Was kannst du überhaupt, so klein wie du bist. Vielleicht kannst du springen? Wollen wir ein Wettspringen machen?“
Die Kröte ist einverstanden und gemeinsam gehen sie zum großen Fluss und stellen sich zum Springen auf.
Die Kröte sagt: „Siehst du, ich stelle mich sogar noch hinter dich“, und schnell hüpft sie hinter den wedelnden Schwanz des Tigers und beißt sich in der Schwanzspitze fest.
Der Tiger nimmt Anlauf und macht einen riesigen Sprung über den Fluss. Als er auf der anderen Seite landet, dreht er sich geschmeidig um und bei dieser Bewegung lässt sich die Kröte fallen und ruft: „Hier bin ich!“
Der Tiger ist erstaunt, dass die Kröte gewonnen hat und die Kröte sagt: „Ja, ich bin so geschickt, ich fresse sogar Tiger lebendig auf und wenn du es nicht glaubst, dann schau nur gleich in meinen Mund.“
Der Tiger geht vorsichtig näher und was sieht er im Maul der Kröte: Tigerhaare! Voller Schrecken zieht er den Schwanz ein und flieht so schnell er kann. Die Kröte aber, die ruhte sich von dem Abenteuer aus.

Märchen aus Korea, Quelle: Oskar Dähnhardt, Tiersagen, Band 2, Fassung Djamila Jaenike
 

Thursday, May 16, 2013

Die Kröte

Kröte
Es war einmal eine Köchin. Die ging früh morgens in den Garten nach grünem Gemüse. Dort kam zu ihr eine große Kröte; da jagte die Köchin sie von dannen. Aber die Kröte wollte durchaus nicht fortgehen, bis die Köchin ihr nicht gesagt hatte: »Wenn du ein Kind bekommst, werde ich Gevatter stehen.« Da ging die Kröte von dannen.
Im Garten war ein ausgetrockneter Brunnen, und dort wohnte die Kröte; dort führte ein Steg hinunter.
Dann kam der Tag, wo bei der Kröte Taufe gehalten wurde, und sie schickten auch nach der Köchin, dass sie kommen solle, und jetzt bereute die Köchin, was sie der Kröte versprochen hatte. Aber ihre Frau redete ihr zu, dass, wenn sie es versprochen, sie auch gehen müsse, und die Köchin nahm alles mit.
Wie sie zum trocknen Brunnen hinkam, war da ein Eingang, und da ging die Köchin hinunter. Dort öffnete sich eine Thür; dort war die Küche, und dort brodelte tüchtig das Essen. Die Köchin ging hin, hob den Deckel auf, und da sah sie denn, dass in den Töpfen graue, alte Männer kochten, und die riefen: »Ach, lass uns hinaus!«
Die Köchin tat den Deckel wieder auf den Topf; nun war sie aber sehr erschrocken; sie ging in die Stube und setzte alles nieder, was sie mitgebracht hatte.
Als die Taufe war, aß die Köchin nur von dem, was sie gebracht hatte.
Nach der Taufe kehrte sie die Küche der Kröte aus und fand auf der Schwelle ein Goldstück. Da nahm sie geschwind den Kehricht in ihre Schürze und ging hinauf. Als sie auf der obersten Treppe war, rief ihr die Kröte nach:
»Danke deinem Schöpfer, Hund, dass du hinaufgegangen bist!«
Als die Köchin heimkam, erzählte sie die Sache, und ihre Frau sagte: »Du siehst, dass es nicht gut ist, mit Kröten anzubändeln.«
Sklarek, Elisabet: Ungarische Volksmärchen. Einl. A. Schullerus. Leipzig: Dieterich 1901